Switching Frames. Bild- und Identitätskonstruktionen

Im Frühjahr 2026 zeigte die Sammlung Goetz Arbeiten der Fotografin Cindy Sherman, die für Selbstportraits in verschiedenen Rollen bekannt ist. Diese Ausstellung wurde gemeinsam mit Refugio e.V. in einem viertätigen Workshop in der ersten Ferienwoche erarbeitet. Zielgruppe des Workshops waren unter anderem Jugendliche mit Fluchterfahrung, die durch das Arbeiten mit Pädagog:innen ermutigt werden sollten, Kunst mit ihren eigenen Erfahrungen in den Dialog zu setzten. Shermans Arbeiten bieten mit ihrem Fokus auf Identität und Inszenierung zahlreiche Anschlusspunkte für Formate, die es Jugendlichen erlauben mit Formen des Selbstausdrucks, beispielsweise durch Kleidung und Make-up zu experimentieren.

Der mediale Fokus lag dabei auf Fotografie, digitale und KI-gestützte Bildbearbeitungsmittel als Mittel des Selbstausdrucks mit Bezug zu Selbstdarstellung in sozialen Medien. Diese Themenfelder sollte dazu einladen, über digitale Gemeinschaften und das Problem der Zugehörigkeit in verschiedenen Räumen nachzudenken. Das Arbeiten mit Selbstbezug sowie der Dialog zwischen Kunst und alltäglichen digitalen Medien regte die Jugendlichen dazu an, sich mithilfe von digitalen künstlerischen Mitteln mit Fragen der Selbstdarstellung und Identität auseinanderzusetzen.

Tag 1: Einführung und Kostümprobe

Am ersten Tag des Workshops führte Anna Reimnitz die Teilnehmenden durch die Ausstellung „Cindy Sherman“ im /Schaufenster der Sammlung Goetz. Dabei lag der Schwerpunkt der Führung auf den Techniken der Selbstinszenierung sowie Komposition und Bildbearbeitung, um die Teilnehmenden an die Arbeitsweise der Künstlerin heranzuführen. Außerdem gab es Einblicke in Methoden der Bildanalyse sowie Anwendung und Wirkung verschiedener Stilmittel in der Fotografie. Im Anschluss an diesen Input wurde den jungen Menschen ein erstes Herantasten an die eigene visuelle Veränderung ermöglicht. Im Sammlung Goetz /Studio konnten sie verschiedene Kostüme und Accessoires spielerisch ausprobieren und in einer Fotobox erste Schnappschüsse in Kostüm aufnehmen. In diesem Prozess wählten die Teilnehmenden die Kostüme aus, die sie für den Rest der Woche für ihre Selbstportraits tragen würden. 

Tag 2: Kameraworkshop und erste Fotos 

An Tag Zwei trafen sich die Teilnehmenden mit den Workshopleitungen in der Kunstwerkstatt von Refugio e.V., zu der ein großzügig ausgestattetes Fotostudio gehört. An einem großen Tisch gaben die Fotograf:innen den Teilnehmenden eine Einführung in Kameratechnik, von Blende bis Brennweite. Mit den Kameras, die die Workshopleitungen vorbereitet hatten, konnten die Jugendlichen die verschiedenen Funktionsweisen und Einstellungen der Kameras selbst testen und erleben. In diesem Zuge wurden erste Fotos gemacht, um verschiedene Kameraeinstellungen und ihre Wirkung zu vergleichen. Teilweise zogen die Teilnehmenden schon ihre am Vortag ausgesuchten Kostüme an und machten erste Versuchsbilder. 

Tag 3: Fotografieren  

Der dritte Tag begann mit einer Einführung zu generativer KI und wie diese zur Erzeugung fotorealistischer Bilder verwendet werden kann. Zur Veranschaulichung, wie täuschend echt KI-generierte Bilder wirken können, wurde ein Quiz vorbereitet, bei dem die Teilnehmenden zwischen echten Fotos von Menschen und KI-generierten Gesichtern unterscheiden sollten. In diesem Prozess wurde den Teilnehmenden vor Augen geführt, wie nah KI-generierte Bilder dank der neuesten Technologien an echte Fotos herankommen und auf welche Merkmale es zu achten gilt, um KI-Bilder von Fotos unterscheiden zu können.  

Im Anschluss finalisierten die Teilnehmenden ihre Erscheinung mit den zuvor ausgewählten Kostümen, Accessoires und Make-Up. Nachdem sie sich für Ihre finalen Verkleidungen entschieden hatten, begann die Foto-Phase. Die Teilnehmenden wählten Hintergründe, Posen und Ausschnitt mit der Unterstützung der Workshopleitungen und dann begannen sie, erste Aufnahmen zu machen. Durch das Fotografieren und anschließende Ansehen wurde den Teilnehmenden im Prozess klarer, welche Darstellungen ihnen gefielen und welche nicht. Außerdem konnten Sie von Foto zu Foto feststellen, wie sich Kameraeinstellungen, Komposition und Licht auf die Bilder auswirkten. So ergab sich ein Trial-and-Error Prozess, bis alle mit ihren Ergebnissen zufrieden waren. 

Tag 4: Finale Bearbeitung und Druck 

Nachdem am viele Bilder aufgenommen wurden, war es nun an den Teilnehmenden, die große Menge an Fotos auf eine kleine Auswahl zu beschränken. Diese Vorauswahl übertrugen die Workshopleitungen dann auf einen Computer, um sich die Aufnahmen gemeinsam mit den Jugendlichen noch einmal genau anzusehen, sie zu besprechen und eine finale Auswahl zu treffen. Bei der Entscheidung unterstützen die Workshopleitungen mit ihrer Expertise der Fotografie und Bildkomposition. Nachdem die finale Bildauswahl getroffen wurde, begannen die Teilnehmenden unter Anleitung der Fotograf:innen mit der Bearbeitung der Bilder. Die Teilnehmenden lernten die verschiedenen Anwendungen von Adobe Lightroom und Photoshop kennen und ihnen wurde gezeigt, wie man Bilder farblich korrigiert, zuschneidet und mit KI-gestützten Tools Bereiche ausbessert sowie Texturen aufbereitet. Verschiedene Möglichkeiten wurden erklärt und ausgetestet, bis die finalen Versionen der Werke feststanden. 

Diese wurden vor Ort mit einem professionellen Drucker hochwertig in Ausstellungsqualität gedruckt. Die Teilnehmenden konnten noch am selben Tag die Ergebnisse ihrer Arbeit bewundern. 

Tag 5: Vernissage im Sammlung Goetz /Studio

Zwei Wochen nach den Workshoptagen in den Osterferien fand im Sammlung Goetz /Studio am Dienstagabend eine Vernissage statt, zu der die Teilnehmenden, die Workshopleitungen sowie Family & Friends eingeladen waren. Die Besuchenden erschienen zahlreich und bei heiterer Stimmung und Saftschorlen konnten die Teilnehmenden die Ergebnisse ihres künstlerischen Prozesses bewundern. Die Fotos wurden anschließend eine Woche lang im Sammlung Goetz /Studio ausgestellt.