Wir haben etwas zu sagen - auch im Netz!

Wir haben etwas zu sagen – auch im Netz!

Wie können Jugendliche ihre Stimme finden und sie auch im digitalen Raum selbstbewusst einsetzen?
Genau dieser Frage widmete sich das Medienprojekt „Wir haben etwas zu sagen – auch im Netz!“. Ziel war es, junge Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken, ihnen Raum für ihre eigenen Erfahrungen und Lebensrealitäten zu geben sowie gemeinsam neue Perspektiven auf Themen wie Diskriminierung, Zivilcourage und Zusammenhalt zu entwickeln. Die Zielgruppe umfasste alle Teilnehmenden aus unserem Projekt „Bayerns Beste Gipfelstürmer“, unsere Scout*innen (Scout*innen sind ehrenamtliche Jugendliche und junge Erwachsene, welche in unseren regelmäßigen Klettergruppen unterstützen) sowie aus unserer Jugendabteilung. Hier geht es zu unserer Website: https://www.gipfelstuermer.org

Einstieg:

Der Projektstart begann mit einem intensiven Einführungswochenende über zweieinhalb Tage. Hier ging es zunächst darum, die Gruppe kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und sich den Themen auf kreative Weise anzunähern. Durch niedrigschwellige Methoden wie Assoziationsübungen, Storytelling und ein Begriffsmemory setzten sich die Jugendlichen mit zentralen Begriffen wie MutDiskriminierung, digitale Räume, Macht, Ableismus, Rassismus, Radikalisierung, Zivilcourage, Cybermobbing, Kooperation / Zusammenhalt, Intersektionalität, Empowerment auseinander. Damit sich alle Jugendlichen angesprochen fühlen konnten, wurde konsequent mit einfacher Sprache gearbeitet, in diesem Projekt und auch generell ein wichtiger Schritt, um (sprachliche) Barrieren abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen.

In verschiedenen Stationen konnten sie ihre eigenen Zugänge finden:

  • Geräusche und Klangwelten erforschen
  • persönliche Geschichten erzählen
  • Symbole gestalten
  • Situationen durch Bewegung und Standbilder darstellen

Ein besonderes Highlight war das Forumtheater: Alltagssituationen (teils selbst erlebte) wurden nachgestellt und gemeinsam alternative Handlungsmöglichkeiten ausprobiert. Hier wurde direkt erfahrbar, dass es oft mehr als nur eine Reaktion gibt, ein wichtiger Schritt hin zu mehr Handlungssicherheit.

Vom Thema zum Film:

In zwei weiteren Workshops wurden die gesammelten Ideen konkretisiert und in ein Filmprojekt überführt. Die Jugendlichen entwickelten Szenen, nahmen Videos und Tonspuren auf und experimentierten mit verschiedenen Ausdrucksformen. Dabei kamen bewusst einfache und zugängliche Mittel zum Einsatz: Smartphones, Mikrofone und kreative Materialien wie Papier oder Knete. So wurde deutlich: Medienarbeit ist kein exklusiver Raum, jede*r kann gestalten.

Die intensive Produktionsphase:

In der anschließenden Schnittphase wurde das gesamte Material gemeinsam gesichtet, ausgewählt und bearbeitet. Diese Phase war besonders intensiv und nicht immer konfliktfrei. Unterschiedliche Meinungen darüber, welche Szenen verwendet werden sollten, führten zu Diskussionen. Doch genau diese Aushandlungsprozesse waren ebenfalls ein zentraler Bestandteil des Projekts: Die Jugendlichen lernten, ihre Perspektiven einzubringen, Kompromisse zu finden und gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Die professionelle Begleitung im Schnittprozess wurde dabei als große Unterstützung wahrgenommen.

Ein Film, viele Perspektiven

Am Ende entstand ein ca. dreiminütiger Film, ergänzt durch Tonaufnahmen, Fotos und Texte. Der Film greift persönliche Erfahrungen der Jugendlichen auf und zeigt unterschiedliche Perspektiven auf Zivilcourage insbesondere im digitalen Raum. Er macht sichtbar, wie Jugendliche Diskriminierung erleben, aber auch, wie sie sich gegenseitig unterstützen und für andere einsetzen können. Die entstandenen Medienprodukte werden online veröffentlicht und können künftig in unserer Bildungsarbeit (Stimmen der Jugendlichen, Bildmaterial etc.) eingesetzt werden wie zum Beispiel in unserer Ausbildung: Klettertrainer*in C Inklusion.

Hier geht’s zum Film: https://vimeo.com/1180736754?share=copy&fl=sv&fe=ci

Herausforderungen und Learnings:

  • Die Balance zwischen persönlicher Tiefe und dem Schutz individueller Grenzen erforderte viel Sensibilität
  • Die Motivation über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechtzuerhalten, war nicht immer einfach
  • Die zeitlichen Abstände zwischen den Workshops erschwerten teilweise die Kontinuität

Rückblickend hätte eine engere Taktung oder verbindende Aufgaben zwischen den Terminen den Prozess zusätzlich stärken können.

Was bleibt?

Besonders gelungen war es, die Jugendlichen bei ihren eigenen Themen abzuholen. Viele berichteten von Situationen, in denen sie selbst Zivilcourage gezeigt haben oder sich Unterstützung gewünscht hätten. Während des langen Projektzeitraumes wurde erlebbar: Ich kann etwas bewirken. Ich habe Handlungsmöglichkeiten. Meine Stimme zählt. Das Projekt zeigt, wie wirkungsvoll Medienarbeit sein kann, um junge Menschen zu stärken und ihnen Raum zu geben auch und gerade im digitalen Raum.

„Wir haben etwas zu sagen – auch im Netz!“ ist damit nicht nur ein Projekttitel, sondern eine empowernde Haltung.