AI Storytelling – Mit KI ein eigenes Hörspiel erschaffen

Die Idee des Projekts bestand darin ein Hörspiel mit Hilfe von KI zu erstellen. Die Kinder sollten jedoch ihre eigenen Stimmen einsetzen können, hier sollte also kein AI-tool verwendet verwendet werden.

Der Kooperationspartner war das städtische Waisenhaus München an der Waisenhaus-Strasse. Zielgruppe und TeilnehmerInnen waren Kinder im Alter von 8-12 Jahren. Es sollte ein Hörspiel von und für Kinder entstehen.

Die Grundidee für das Hörspiel besprachen wir schon beim ersten Treffen mit den Kindern und dem Medienpädagogen der Einrichtung. Hier kamen schon gute Ideen der Kinder. Beim zweiten Treffen wurde der Plot grob festgelegt. Mit Hilfe von CHat GPT gaben wir Prompts ein und es wurde schon ein brauchbares Drehbuch geliefert, welches wir an einigen Stellen überarbeiteten. Es gab zum Beispiel Stellen im Dialog die vom Handlungsablauf nicht ganz logisch erschienen und passten. Oder die eine oder andere „witzige“ Antwort welche die Kinder nicht lustig oder komisch fanden, und wir dann gemeinsam eine eigene Idee hatten bzw. einbauten. Alles in allem waren in etwa 75% des „Vorschlags“ von Chat GPT brauchbar und bildeten somit ein gutes Grundgerüst für unser Hörspiel-Drehbuch. Beim Einsprechen konnte und durfte man auch mal etwas improvisieren, d.h. den Satzbau etwas ändern, den vorgegebenen Dialog umgangsprachlicher interpretieren, und/oder Interjektionen erfinden bzw. spontan einbauen.

Angedacht war auch die Verwendung von AI-tolls für die Musik. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Tools in diesem Bereich. Einige davon sind zum Teil kostenlos nutzbar, dann jedoch ohne Download-möglichkeit und vor allem ohne Nutzungslizenz. Diese Features sind nur mit einem Abo zugänglich. Die Kinder im Waisenhaus haben einige Musikinstrumente und Räume dafür zur Verfügung, und sie wollten von Anfang an eigene Musik machen, auf Instrumenten spielen und diese Ideen aufnehmen und weiter bearbeiten. Trotzdem haben wir ein paar Prompts eingegeben und ausprobiert was das AI-tool ausspuckt. Die Ergebnisse waren ok, konnten die Kinder aber nicht so sehr begeistern wie das eigene Spielen, Entdecken und Ausprobieren an den Instrumenten. Es gab Klaviere, diverse Percussion, alte Hackbretter (mit eigenwilligen Stimmungen…:), Schlagzeuge, Gitarren, Flöten und Geigen u.a..

Für das Projekt haben wir eigene Musikstücke, Aufnahmen und Geräusche mit analogen Musikinstrumenten produziert, und mit virtuellen Instrumenten in einer DAW. In der digitalen analogen Workstation Cubase konnten wir einige Effekte einsetzen und Aufnahmen verfremden und anpassen.

Die Sprach- und Instrumentaufnahmen wurden zuerst mit der App „AudioShare“ aufgenommen und in der App „Cubasis 3 DAW & Mobile Studio“ DAW weiter bearbeitet, zum Hörspiel arrangiert und gemsicht. Am PC wurde der fertige Mix in der DAW „Reaper“ gemastert, d.h. insgesamt in Dynamik, Laustärke und Klang optimiert. Für die Aufnahmen haben wir ein Extra Mikrofon zum Anstecken an das ipad verwendet, ein Shure MV 88. Hier hat man weniger Rauschen und die Möglichkeit das Mikro auszurichten.

Die Kinder waren von Anfang an interessiert an dem Projekt teilzunehmen. Es musste jedoch über 2-3 Treffen eine Vertrauensbasis und Kennenlernen stattfinden. Die Kinder befinden sich in einer schwierigen Situation und sind geprägt von ihren Lebenserfahrungen die sie machen mussten, und die der unfreiwillige Grund sind weshalb sie im Waisenhaus untergebracht sind. Mit viel Empathie und Geduld konnte sich trotzdem ein kreatives Projekt entwickeln. Und es ist bemerkenswert wie viel Freude die meisten Kinder doch immer wieder zeigen und leben können. Trotzdem gibt es immer wieder Phasen in denen sie sich schwer tun, und ihre Stimmung am Boden ist.

Die Kinder hatten noch wenig Erfahrung mit AI-Tools. Sie lernten was ein Prompt ist, und was hilfreich ist eine gute „Antwort“ bzw. Ausgabe zu bekommen. Da ihnen Algorithmen noch wenig bis gar nichts sagen, und es bei den Prompt-„Regeln“ und Tipps schnell zuviel wird für sie, haben wir versucht es einfach und bildlich zu halten. „:..Stell dir vor du hast einen neuen Mitarbeiter, einen Assistenten der eine Frage oder eine Aufgabe für dich erledigt…“ Wir haben zum ausprobieren auch ein paar lustige Anfragen abseits des Hörspiel-Vorhabens gestellt um die Sache aufzulockern. In der Drehbuch-phase haben die Kinder gelernt dass Chat GPT auch Fehler macht und seltsame Antworten liefern kann.

Das Aufnehmen der Dialoge mit mehreren Kinder in diesem Alter, und auch in ihrer Situation ist nicht einfach. Die meisten haben nicht so viel Geduld, und da sie in einer Wohngruppe mit 9 Plätzen wohnen, sind sie öfters mal etwas aufgewühlt und aufgeladen. Sie haben sich jedes mal sehr gefreut etwas anderes zu machen, mal aus der Gruppe zu kommen, und im Haus die Aufnahmen zu machen.

Das Bearbeiten des Drehbuchs und das Einsprechen der Dialoge war eine sehr gute Sprech- und Leseübung für die Kinder. Wir bauten auch kleine Sprechübungen für die Aussprache ein. Das Anhören der eigenen Aufnahmen hat sicherlich das bewußte Zuhören gefördert.

Wir konnten verschiedene Räume nutzen und sie fanden es sehr spannend im langen Kellergang der die beiden Flügel des Waisenhauses verbindet „herum zu spuken“ 🙂 Wir waren auch ein paar mal im großen Saal, in dem wir unsere Drehbuch Meetings machten. Hier steht ein Piano,… dass wir auch bespielten 🙂 und es gibt die eingebaute Bühne, auf der wir Dialoge und Szenen ausprobierten. Im Haus sammelten wir auch Geräusche wie das Knarzen der alten Eingangstür u.a..

Beim Aufnehmen muss man sich eine Lockerheit und Spaß bewahren, damit es nicht zu ernst und langwelig für die Kinder wird. Zum Teil haben die Kinder die Aufnahmen gemacht und die Geräte bedient, manchmal habe ich es übernommen. Das Schneiden und Anhören der Aufnahmen benötigt einiges an Zeit, und das Mischen und Arrangieren der Geräusche und Musik. Hier konnten die Kinder weniger dazu beitragen, dafür hätten wir mehr Zeit und Termine gebraucht.

Es sollte auf jeden eine gute Ordnung der Dateien und Aufnahmen von Anfang es beachtet werden! Es ist auch hilfreich gleich nach dem Aufnehmen nicht zu verwendene Dateien glech zu löschen, also gleich „vorzusortieren“. Im Moment oder dem Tag der Aufnahme hat man noch im Kopf wo was passt oder hingehört. Wenn man es später macht kostet es mehr Zeit wieder Zusammenhänge zu rekonstruieren.

Das Hörspiel wird noch nach Ostern in der Gruppe vorgestellt, und wenn die Kinder einverstanden sind auch anderen Gruppen des Waisenhauses. Geplant ist eine Vorstellung im großen Saal. Die Kinder waren mit dem Endergebnis sehr zufrieden 🙂

Außerdem soll in Zusammenarbeit mit dem Haus das Hörspiel auf „Tonies“ veröffentlicht werden, sowie auf AUDIYOU.

Hier noch ein älterer Beitrag vom Medienpädagogik Praxis-Blog mit hilfreichen Tipps und Ideen:

https://www.freemusic.ai

Und eine Rezension zum Buch „Was auf die Ohren?!“, in dem auch viele interessante Praxisprojekte vorgestellt werden:

https://www.socialnet.de/rezensionen/32535.php