Escape The Feed – Im Dschungel des Algorithmus

Konzept
Im Rahmen des medienpädagogischen Förderprogramms von Stadtjugendamt München und Netzwerk Interaktiv wurde das Projekt „ESCAPE THE FEED – Im Dschungel des Algorithmus“ als viertägiger Workshop vom 15. – 18.12.2025 durchgeführt. Inhaltlicher Fokus war es, Jugendlichen die Funktionsweise datenbasierter Algorithmen auf Social-Media-Plattformen näherzubringen und deren Einfluss auf Aufmerksamkeit, Nutzungsverhalten und Meinungsbildung kritisch zu reflektieren.
Die Teilnehmenden entwickelten dafür einen eigenen interaktiven „Escape-Room“, der Wirkmechanismen eines algorithmisch gesteuerten Feeds spielerisch nachahmen sollte: Personalisiertes Ausspielen von Inhalten, Belohnungslogiken, „Hooks“ und das Prinzip, Nutzer*innen möglichst lange zu binden. Die Jugendlichen setzten hierfür eigene Audio-, Video- und Bildinhalte um (inkl. KI-basierter Tools) und kombinierten diese mit Rätselmechaniken zu spielbaren Rätseln.
Workshop-Vorbereitung
Der Workshop wurde mit einer 8. Klasse (18 Schüler*innen) der städtischen Rudolf-Diesel-Realschule sowie vier weiteren Teilnehmer*innen aus einer AG (7. Klasse) umgesetzt, insgesamt waren 23 Schüler*innen anwesend. Als digitale Ausstattung standen 13 iPads zur Verfügung; zusätzlich wurde mit Smartphones gearbeitet. Für die praktische Medienarbeit wurden vorab die benötigten Zugänge/Accounts sowie die technische Infrastruktur (u. a. Canva-Vorlagen und gemeinsame Arbeitslinks) vorbereitet.
Als Tools kamen insbesondere Canva (als zentrale Plattform zur Gestaltung und zum späteren Zusammensetzen der Escape-Rooms), CapCut (Video), Ferrite (Audio), Adobe Photoshop (Bildbearbeitung/KI-Funktionen) sowie ChatGPT (Text- und Ideenentwicklung, Bildgenerierung) zum Einsatz.
Darüber hinaus konnten die Jugendlichen zusätzlich mit professionellem Film- und Fotoequipment arbeiten, was den Praxisbezug und die Motivation sichtbar erhöhte.
Projektablauf

Tag 1 – Einstieg: Was sind Algorithmen? Von der Theorie zur Feed-Logik
Nach Projektvorstellung und Kennenlernphase wurden Algorithmen zunächst über alltagsnahe Beispiele eingeführt (Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Sortier- und Suchprinzipien, Entscheidungsbäume). Ergänzend wurden algorithmische Strategien wie Optimierung und Backtracking anhand spielerischer Übungen verständlich gemacht.
Im Anschluss wurde der Schwerpunkt auf Social-Media-Algorithmen gelegt: Datensammlung, Personalisierung, Filterblasen/Echokammern, wirtschaftliche Interessen sowie Risiken (z. B. Suchtmechanismen, Privatsphäre, Druck durch Vergleiche). Parallel dazu wurde die psychologische Ebene der Plattformlogiken (Belohnungssysteme, Endlos-Scroll, Aufmerksamkeit als „Währung“) vertieft.

Als Brücke zur praktischen Arbeit erfolgte die Einführung in Canva und in die gemeinsame Workshop-Struktur. Über eine „Speed/Feed-Filter“-Übung und Charakterinterviews sammelten die Teilnehmenden Daten über ihre Mitschüler:innen, um später gezielt Inhalte und Rätsel auf diese auszurichten.
Tag 2 – Escape-Room-Logik und Medienwerkstatt: Rätsel planen, Medien wählen
Zu Beginn wurden grundlegende Rätselmechaniken eines Escape-Rooms erklärt (z. B. Sortierlogiken, Codes, visuelle Suchrätsel, Audio-Hinweise, Labyrinthe) und in Verbindung mit dem Algorithmus-Thema gesetzt.

Darauf folgte eine Einführung in Mediengestaltung (Foto, Video, Audio, Grafik/Text) und die Frage, wie Inhalte Aufmerksamkeit erzeugen (z. B. Hook, Thumbnail-Logik, Dramaturgie). In Kleingruppen konzipierten die Schüler*innen anschließend ihre Rätsel auf Basis einer Canva-Vorlage. Vorgabe war, mehrere Rätsel mit unterschiedlichen Medienarten zu kombinieren (Foto, Video, Audio sowie optional Text/Grafik) und diese so zu gestalten, dass sie neugierig machen und zum „Weiterklicken“ motivieren. Anschließend starteten wir mit der Medienproduktion in Kleingruppen.

Tag 3 – KI-Tools, Dramaturgie und technischer Aufbau
Am dritten Tag wurde die Medienproduktion fortgeführt. Ein weiterer Fokus lag auf der Erweiterung der Escape-Rooms durch KI-basierte Werkzeuge (z. B. Textideen, Bildvarianten, Sounds) und auf der finalen Dramaturgie: Wie führt man Spieler*innen durch einen Ablauf, wie setzt man Belohnungspunkte, wie baut man Spannungsbögen auf? Anschließend wurden die Inhalte technisch sauber in Canva zusammengeführt und für die Testphase vorbereitet.
Tag 4 – Testen, Spielen, Reflexion Zum Abschluss wurden alle Canva-Designs in ein gemeinsames Gesamtdesign zusammengeführt und mit der Klasse gemeinsam gespielt.
Dabei zeigte sich sehr deutlich, wie stark Gestaltung, Reihenfolge und „Belohnungslogik“ das Spielverhalten beeinflussen. In einer abschließenden Diskussion reflektierten die Jugendlichen ihre Erfahrungen mit Plattformmechanismen, die Übertragbarkeit auf den eigenen Medienalltag sowie Strategien, den eigenen Feed bewusster zu gestalten. Ein interaktives Quiz schloss den Workshop ab und festigte zentrale Begriffe und Wirkzusammenhänge. Der Canva Escape Room wurde per Link geteilt und kann nun sowohl von den Teilnehmenden als auch in allen anderen Klassen der Schule gespielt werden.
Fazit und Feedback
Die Teilnehmenden reagierten insgesamt sehr positiv auf den Workshop – insbesondere auf die selbstständige Arbeit, die kreative Freiheit und den hohen Praxisanteil. Hervorgehoben wurde, dass sie eigenverantwortlich gestalten und ausprobieren konnten und dabei einen realistischen Einblick in Medienproduktion und Gestaltung bekamen. Die Möglichkeit, mit professionellem Equipment zu arbeiten, wurde als neue und motivierende Erfahrung beschrieben. Die Einführung in Algorithmen wurde von einigen als etwas zu ausführlich und dadurch „langweilig“ wahrgenommen. In der Gesamtbetrachtung bestätigte sich, dass bei dieser Zielgruppe ein schnellerer Übergang in spielerische und produktionsorientierte Phasen besonders wirksam ist.
Workshopergebnis: CANVA Design zum Nachspielen (bitte vorher duplizieren)
Der Workshop wurde durchgeführt von Martin Rühr (SINN MEDIA) und Jonas Baumann (Regisseur)
Mehr Informationen unter www.sinn-media.de
In Kooperation mit der städtischen Rudolf-Diesel-Realschule https://rdr.m-bildung.de/
Gefördert im Rahmen des medienpädagogischen Förderprogramms des Stadtjugendamts München und Netzwerk Interaktiv – Münchner Netzwerk Medienkompetenz. https://kooperationsprojekte-muc.de/










