Empowered & Online – Digitale Souveränität

Projektbericht: Empowered & Online – Digitale Souveränität*

1. Projektziele

Das Projekt hatte das Ziel, die digitale Souveränität der Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe nachhaltig zu stärken. Dabei standen folgende Schwerpunkte im Mittelpunkt:

  • Selbstbestimmung & Datenschutz: Sensibilisierung für digitale Rechte und den Schutz persönlicher Daten
  • Kritische Medienkompetenz: Reflexion und Hinterfragen von Online-Inhalten
  • Resilienz gegen Hate Speech: Entwicklung von Strategien im Umgang mit Hassrede und Diskriminierung
  • Aktive Teilhabe: Förderung einer verantwortungsvollen Mitgestaltung digitaler Räume
  • Auseinandersetzung mit Geschlechtsidentität und Transidentität: Sensibilisierung für Diskriminierung im digitalen Raum, insbesondere gegenüber transidenten Personen, sowie Förderung von Empathie und Zivilcourage

2. Beschreibung des Projektverlaufs

Das Projekt knüpfte an das Vorprojekt „Queer und stolz“ an und erweiterte den Fokus auf digitale Lebenswelten.

Einstiegsphase:
Die Schülerinnen und Schüler erhielten theoretische Inputs zu Themen wie Algorithmen, Datenschutz, digitale Rechte sowie Mechanismen von Hate Speech. Dabei wurde auch thematisiert, wie insbesondere marginalisierte Gruppen – etwa transidente Menschen – von digitaler Diskriminierung betroffen sind.

Highlight-Vortrag:
Ein transidenter junger Mann berichtete aus seiner persönlichen Lebensrealität, insbesondere über seine Transition im beruflichen Umfeld und seine Erfahrungen mit Vorurteilen – sowohl offline als auch online.
Dieser Beitrag ermöglichte einen direkten Perspektivwechsel und verdeutlichte die konkreten Auswirkungen digitaler Diskriminierung.

Produktionsphase:
In Kleingruppen entwickelten die Jugendlichen eigene Medienprodukte. Themen waren u. a.:

  • Zivilcourage im digitalen Raum
  • Umgang mit Hate Speech
  • Fake News und Datenschutz
  • Diskriminierung, insbesondere gegenüber trans Personen

Die Gruppen arbeiteten eigenständig an Konzepten, erstellten Storyboards und produzierten Inhalte in verschiedenen Formaten (Video, Audio, Grafik). Dabei reflektierten sie kontinuierlich rechtliche und ethische Fragen wie Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte und verantwortungsvolle Darstellung.

Safe Space und Reflexion:
Ein zentraler Bestandteil war die Schaffung eines geschützten Rahmens. Besonders bei sensiblen Themen wie Geschlechtsidentität zeigte sich ein hoher Bedarf an Sicherheit, Vertrauen und freiwilliger Beteiligung.


3. Bedarf an Raum, Zeit und Technik

  • Zeit: 7 Projekttage im Rahmen einer Projektwoche
  • Räume: Klassenräume, Computerräume sowie Aula für den Gastvortrag
  • Technik:
  • Eigene Smartphones/Tablets (BYOD)
  • Schul-Laptops
  • Mikrofone für Audioaufnahmen
  • Software wie CapCut, iMovie, Audacity und Canva

4. Beteiligte

  • Zielgruppe: Gesamte 9. Jahrgangsstufe des Heinrich-Heine-Gymnasiums
  • Anleitung: Projektleitungsteam, begleitende Lehrkräfte sowie ein externer Gastreferent
  • Methodik: Partizipativer und lebensweltorientierter Ansatz – die Jugendlichen arbeiteten eigenständig und wurden in ihrer Rolle als aktive Produzent*innen gestärkt

5. Produkte und Veröffentlichung

Erstellte Medienprodukte:

  • Kurzvideos im Stil von Reels/TikTok (z. B. zu Datenschutz oder Hate Speech)
  • Digitale Infografiken und Social-Media-Posts

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Schutz der Privatsphäre
  • Umgang mit Fake News
  • Strategien gegen Hate Speech
  • Diskriminierung im Netz, insbesondere gegenüber transidenten Menschen

Veröffentlichung:
Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer schulinternen Präsentation gezeigt.
Eine Veröffentlichung fand nur eingeschränkt und anonymisiert statt bzw. wurde von vielen Gruppen bewusst abgelehnt.

Erreichte Zielgruppen:

  • Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe
  • Lehrkräfte
  • Elternschaft

6. Kritische Einschätzung

Was hat gut funktioniert?

  • Methodenmix: Die Kombination aus persönlichem Erfahrungsbericht und kreativer Medienarbeit war besonders wirksam
  • Hohe Themenrelevanz: Hate Speech und Diskriminierung – insbesondere gegenüber trans Personen – trafen die Lebensrealität der Jugendlichen
  • Empathie und Perspektivwechsel: Der Gastvortrag förderte ein tiefes Verständnis für die Auswirkungen digitaler Diskriminierung
  • Peer-Learning: Die Jugendlichen unterstützten sich gegenseitig, insbesondere bei technischen und kreativen Prozessen

Herausforderungen:

  • Zurückhaltung bei Veröffentlichung:
    Viele Jugendliche hatten große Bedenken, ihre Inhalte öffentlich zu teilen. Gründe waren:
  • Angst vor negativer Bewertung („Cringe“-Faktor)
  • Reale Sorge vor Hate Speech
  • Sensibilität bei Themen wie Geschlechtsidentität
  • Spannungsfeld Teilhabe vs. Schutz:
    Die angestrebte aktive Teilnahme an digitaler Öffentlichkeit stand im Widerspruch zum Bedürfnis nach Sicherheit und Anonymität.
  • Erhöhte Sensibilität durch Trans-Thematik:
    Die intensive Auseinandersetzung mit Diskriminierung gegenüber trans Personen führte zu einer bewussteren, aber auch vorsichtigeren Haltung gegenüber eigener Sichtbarkeit.

Fazit:

Das Projekt hat seine Ziele in Bezug auf Sensibilisierung, Reflexion und Kompetenzaufbau weitgehend erreicht. Besonders die Einbindung der Trans-Thematik erwies sich als wirkungsvoll für die Vermittlung von Empathie und kritischem Bewusstsein.

Gleichzeitig zeigte sich deutlich, dass digitale Souveränität auch bedeutet, sich bewusst gegen Öffentlichkeit zu entscheiden.